Leezenkurier

Fahrradzeitung für das Münsterland

„Mit Weitblick ins Münsterland“

Unter diesem Thema stand im Juni die Radtour der ADFC Ortsgruppe Billerbeck. Um 9:00 Uhr machte sich eine kleine – hitzefeste – Schaar Radlerinnen und Radler auf den Weg nach Altenberge. Über Aulendorf und Holthausen ging die Fahrt mit einigen Trinkpausen zum Geo-Museum Zurholt. Da wir etwas schneller als geplant unterwegs waren, konnten wir noch vor Beginn der vereinbarten Führung den erst 2024 eingeweihten Findlingsgarten besichtigen. Hier sind verschiedenste Findlinge (Geschiebe) aufgestellt worden. Fast alle wurden bei Hausbau- und Kanalbauarbeiten im Altenberger Raum gefunden, wie z. B. beim Neubau von Velo de Ville. Bemerkenswert sind die Informationstafeln. Sie enthalten umfangreiche Hinweise zur Herkunft der Geschiebe und zu ihrem mineralogischen Aufbau. Und sie erzählen aus Sicht der Steine ihre Entstehungs- und Werdeform. Eine Überschrift lautet z. B. „Ich bin der Rapakivi-Granit von den Åland-Inseln vor der Küste Finnlands“.

Im Museum wurden wir dann von Mitgliedern des „Geo-Museum Zurholt Altenberge e.V.“ begrüßt. Zunächst erhielten wir einen Überblick über die Eiszeit und das damalige Klima, die Ausdehnung des Gletschereises und die Herkunft der Geschiebe. Ein erstes Staunen gab es dann bei den durchgesägten Steinen über die Vielfalt der Farben im Inneren. Und das Staunen vergrößerte sich, als uns die Möglichkeit gegeben wurde, verschiedene Gesteine unter dem Mikroskop zu betrachten. Hierzu mussten Gesteinsplättchen so dünn geschliffen werden (0,03mm), dass sie durchsichtig wurden. Zu sehen waren unterschiedliche Gesteine mit einem unerwarteten Detailreichtum sowie einer überraschenden Formen- und Farbenpracht. Die entsprechenden Fachbegriffe wie Ammoniten, Belemniten, Foraminiferen, Mikrofossilien usw. hatten einige schon mal gehört, aber noch nicht so handfest bestaunen dürfen. Bestaunt werden konnten auch einige frühzeitliche Steinwerkzeuge wie Pfeilspitzen, kleine Dolche oder Messer. Aber auch ein sehr großer Gesteinsbrocken, übersäht mit fossilierten Innenskeletten – mundartlich auch Donnerkeil genannt – von ausgestorbenen Kopffüßlern verblüffte die Gruppe. Ergänzt wurde die Ausstellung durch viele Hintergrund- und Erfahrungsberichte der Vereinsmitglieder.

Führung durch das Museum Fotos: (c) Maria Dieker

Beeindruckt von so viel Sammelleidenschaft, Engagement und Fachwissen bedankten wir uns bei den drei Herren. Anschließend fuhren wir am Heimatmuseum vorbei und machten einen Abstecher zum Eiskeller, wo an diesem Tag aufgrund mehrerer gebuchter Führungen kein Besuch möglich war. Aber den wunderbaren Weitblick ins Münsterland und auf den Teutoburger Wald ließen wir uns nicht nehmen, bevor die Innenstadt für die verdiente Mittagspause aufgesucht wurde. So informiert und gestärkt machten wir uns dann über Wirtschaftswege und Pättkes wieder auf den Heimweg – nicht ohne eine Eispause in Laer einzulegen. Bei über 30 Grad, Wind von vorne, Sonne von oben und unter den Rädern die Hügel der Baumberge wurde der Rückweg eine schweißtreibende Angelegenheit.