Leezenkurier

Fahrradzeitung für das Münsterland

Im E-Rausch

Ein Gedicht von Heinz Braunsmann

Ist man vor langer Zeit bereits geboren,

zählt man wahrscheinlich schon zu den Senioren.

Doch ist man deshalb längst noch nicht fragil,

vermutlich ist man sogar sehr agil.

Senioren zählen nicht zum alten Eisen,

sie sind mobil und gehen gern auf Reisen.

Sogar mit siebzig, achtzig, neunzig Jahren

sieht man sie munter auf dem Fahrrad fahren.

Das ist wohl auch der Technik zu verdanken,

man muss das Rad ja nur mit Strom betanken.

Das Pedelec läuft immer leicht und rund,

und die Bewegung ist bestimmt gesund.

Doch eines geb‘ ich trotzdem zu bedenken:

Das Pedelec ist nicht so leicht zu lenken.

Es hat zumeist beachtliches Gewicht,

so mancher kontrolliert das einfach nicht.

Auch nutzt man gern im fortgeschritt’nen Alter

schon mal den eingebauten Turbo-Schalter.

Im Temporausch hat man dann rasch vergessen:

Zu schnelles Fahren ist nicht angemessen.

Im Alter man zur Überschätzung neigt,

wie die Statistik leider deutlich zeigt.

Senioren haben sich demnach die Knochen

im Durchschnitt deutlich häufiger gebrochen.

Ich will jedoch darüber nicht verschweigen,

dass insgesamt die Unfallzahlen steigen.

Auch Jüngere berauscht das „E-Gefühl“

und schießen dabei häufig übers Ziel.

Drum rate ich den Jungen und den Alten:

Man muss nicht stets den höchsten Gang einschalten.

Fahrt nicht so unbedacht wie Fahranfänger,

ihr fahrt dann zwar nicht schneller, aber länger.