in großes Auditorium wartete bereits gespannt im kleinen Saal des Bürgerhauses und immer noch strömten weitere Gäste hinein. Eilig wurden weitere Stühle herangeschleppt, bis alle 70 Zuhörerinnen und Zuhörer einen Platz gefunden hatten. Sie hatten sich allesamt auf den Weg ins Bürgerhaus gemacht, um an der ersten Veranstaltung des Jahres der ADFC Ortsgruppe Telgte-Ostbevern teilzunehmen. Und diese versprach neben guter Unterhaltung fundierte Informationen und zahlreiche Eindrücke von einer beeindruckenden Radreise, die Martin Kamps aus Ahlen entlang des Donauradwegs ans Schwarze Meer gemacht hatte.
Nach einer launigen Begrüßung durch Ortsgruppensprecher Antonius Kappelmann ging es los. Martin Kamps nahm uns mit auf seine knapp 3000 km lange Abenteuer-Reise von Ahlen in Westfalen entlang des Donau-Radweges nach Constanza am Schwarzen Meer. Im Sommer letzten Jahres war er mit seinem Bio-Bike in Ahlen gestartet. Das Gepäck begrenzt auf das Notwendigste: ein Zelt, ein Schlafsack, ein kleiner Kocher, Campinggeschirr, etwas Wechselwäsche und natürlich Werkzeug zur Fahrradreparatur. Insgesamt 14 kg zusätzliches Gewicht am Fahrrad, verteilt auf zwei Taschen am Gepäckträger und zwei Taschen rechts und links am Vorderrad. Die Lenkertasche enthielt die wichtigsten persönlichen Sachen und ganz wichtig, das Navigationsgerät. Das Werkzeug habe sich als besonders hilfreich erwiesen, für ein drittes T-Shirt war kein Platz. Gut, dass die anderen abends schnell durchgewaschen und bis morgens wieder trocken waren.
25 Tages-Etappen á ca. 120 km über 5 Wochen führten Martin Kamps vom Start im Münsterland ans Ziel. Bis zum Einstieg in den Donau-Radweg in Regensburg radelte er entlang von Weser, Fulda, Main und dem alten Ludwigskanal. Ab da führte der gut ausgeschilderte Donau-Radweg die folgenden ca. 2300 km fast ohne Steigungen fast immer am großen Fluss entlang.
Besondere Sehenswürdigkeiten in Deutschland seien Haßfurt, Neumarkt, das Technikdenkmal Ludwigskanal und besonders landschaftlich reizvoll das Tal der Schwarzen Laber gewesen. In Wien habe ihn die gute Rad-Infrastruktur beeindruckt. Zahlreiche Flusskreuzfahrtschiffe schipperten auf der schönen blauen Donau. Doch nichts gehe, so Martin Kamps, über die Erlebnisse als Radtourist, lange Strecken unbehelligt von Autos nahe oder direkt am Fluss zu radeln. Das sei Freiheit, die man fühlen könne mit den Haaren im Wind, der warmen Sonne auf der Haut und dem moosig-frischen Duft der blauen Donau in der Nase. Erlebnisse und Sichtbegegnungen mit Störchen, Nattern, Schildkröten und Bibern in der Abenddämmerung beim Zelten direkt am Fluss seien da eine besondere Dreingabe gewesen.
Apropos Begegnungen: In Österreich sei der Donau-Radweg viel befahren, ab Ungarn jedoch seien die Begegnungen mit anderen Rad-Touristen seltener geworden. Freundlich und interessiert seien die Menschen gewesen, die er unterwegs getroffen habe. Verständigung und Verpflegung habe gut auf Englisch geklappt, erstaunlich oft aber auch auf Deutsch. Nur selten sei die Übersetzungs-App notwendig geworden. Bei Abstechern rechts und links des Donau-Radweges stoße man immer wieder auf historische Spuren, ob aus der Römerzeit oder auch der jüngeren Vergangenheit. Sei es das Eiserne Tor der Donau, von Kaiser Trajan passierbar gemacht, bis hin zur Geschichte der Donauschwaben, deutsche Siedlerinnen und Siedler, die im 17. und 18. Jahrhundert in das Gebiet des heutigen Ungarn und Serbien gerufen und nach dem 2. Weltkrieg flohen oder vertrieben wurden.
In Constanza am Schwarzen Meer angekommen erkundete er noch drei Tage die Umgebung, bevor er die Rückreise per FlixBus antrat.
Sein Tipp für die Zuhörenden: keine Angst vor langen Touren, die auch nicht teuer sein müssen. Unbedingt dabeihaben aber solle man das Multitool; dieses habe ihm bei seinem zweimaligen Wechsel eines Mantels zuverlässig aus der Patsche geholfen.
Nach knapp 1,5 Stunden war der anschauliche Bildervortrag vorbei. Die begeisterten Gäste dankten mit reichlich Applaus.


